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Zwangsarbeit unter südlicher Sonne

 

Spanische Vergangenheitsbewältigung auf der Theaterbühne
EL CANAL von Antonio Morillas Rodríguez in München aufgeführt

 

> Francos Arbeitslager
> Der steinige Weg der Aufarbeitung
> Vergangenheitsbewältigung auf der Bühne
> Spaniens berühmtester Ermordeter
> Eine Lektion in Einfachheit und Eindringlichkeit
> Links zum Thema
> Programmheft des ctv teatro

 

Am vergangenen 24. Oktober erlebte das spanischsprachige Publikum in München eine Theateraufführung der besonderen Art: Das andalusische Theaterkollektiv CTV Teatro führte im Rahmen seiner diesjährigen Europa-Tournee das Stück EL CANAL auf, benannt nach dem Kanal des unteren Guadalquivir, der von Zwangsarbeitern andalusischer Konzentrationslager gebaut wurde.

 

Francos Arbeitslager

Das Stück ist der künstlerische Ausdruck einer öffentlichen Debatte um die Aufarbeitung der spanischen Vergangenheit seit der II. spanischen Republik (1931-1936), deren letzte gewählte Regierung 1936 durch Aufstände von rechts, die in den Spanischen Bürgerkrieg mündeten, gestürzt wurde. Und kaum war dieser Bürgerkrieg 1939 beendet, wurde bereits eine Abteilung für ‚Militarisierte Strafkolonien’, wie die Lager der Zwangsarbeiter offiziell hießen, gegründet, die fortan die Arbeits- und Konzentrationslager verwaltete. Durch Arbeit sollten die Gefangenen ihre Schuld verringern, doch hinter diesem programmatischen Konzept (Redención de Penas por el Trabajo) verbarg sich nichts weiter als die systematische Ausbeutung der Gefangenen als Zwangsarbeiter in ehrgeizigen Bauprojekten, darunter auch das nicht nur von Touristen besuchte Franco-Mausoleum im Valle de los Caídos bei Madrid. Eines der größten Projekte dieser Abteilung war der Bau des Kanals am unteren Guadalquivir, gemeinhin als Canal de los Presos (Kanal der Gefangenen) bekannt.

1940 sind die ersten Arbeitslager der Gemarkung Dos Hermanas, dem Heimatort der Theatertruppe, auf den Geländen der Gutshöfe La Corchuela und Los Arenales entstanden. Sie wurden im Laufe des Jahres mit über 1.500 Zwangsarbeitern bevölkert. Im November 1941 begann ein neuer Bauabschnitt, dem auch die 750 Gefangenen des inzwischen dritten Lagers Los Merinales zugeteilt wurden.

Als im März 1942 der spätere spanische Ministerpräsident Felipe Gonzalez in Dos Hermanas das Licht der Welt erblickte, war Los Merinales bereits in Betrieb. Der Sohn eines kleinen Milchhändlers, der als einziges der vier Kinder die höhere Schule besuchte, erinnerte sich später, dass sein soziales Gewissen sich zu regen begann, als er immer wieder die Zwangsarbeiter des Kanals sah.

 

Der steinige Weg der Aufarbeitung

Anders als in anderen Ländern, denen ein ähnliches Erbe zu eigen ist, und die den steinigen Weg von einem totalitären zu einem demokratischen System gegangen sind, hat es in Spanien bis vor wenigen Jahren keine öffentliche Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit gegeben. Nach Francos Tod (1975) hat das Land den Blick nach vorne gerichtet und die transición – den Übergang zur Demokratie – mutig und entschlossen, aber auch schweigend vollzogen. Diese transición, lange Zeit nicht zu Unrecht als sanfter Übergang gelobt, war das Ergebnis eines Kompromisses, bei dem beide Seiten mehrere Augen zudrücken mussten. Jetzt wird Spanien von der eigenen Vergangenheit eingeholt – was lange ver- und totgeschwiegen wurde, verlangt nun nach Stimme und Gesicht.

In den letzten Jahren sind verschiedene Projekte gegen das Vergessen ins Leben gerufen worden, es wurden Listen von Opfern und Vermissten erstellt, Artikel, Aufsätze und Bücher geschrieben, Filme gedreht, die ersten Gedenkstätten sind entstanden, Zeitzeugenaussagen wurden dokumentiert und ausgewertet. Diese Aktivitäten finden viele Unterstützer und Befürworter, aber sie evozierten auch das Bild der Dos Españas, jener beiden Seiten eines innerspanischen Kulturkampfes, die sich bereits in den Carlistenkriegen des 19. Jahrhunderts unversöhnlich gegenüberstanden. Dieses Bild zieht sich seither als roter Faden durch die spanische Geschichte und führt 1936, nach dem Sieg der republikanischen Frente Popular, zu den Aufständen der Anhänger der Frente Nacional und dem in seiner Grausamkeit bis heute nicht erfassten spanischen Bürgerkrieg.

Während die meisten Opfer – so sie überlebten – und ihre Kinder als traumatisierte Zeitzeugen noch heute schweigen, wollen ihre Enkel und Urenkel nun die Wahrheit ans Licht bringen.
Doch das gefällt verständlicherweise nicht allen, und deshalb ist es auch nicht besonders verwunderlich, dass Recherchen zur Bewältigung dieser Vergangenheit immer noch behindert werden, beispielsweise durch eine franquistische Nationalstiftung, die zwar über ein umfangreiches Archiv verfügt, dieses aber weitgehend unter Verschluss hält. Und da heutzutage die Kontroversen auch multimedial ausgetragen werden, erscheint auf der Internet-Seite dieser Nationalstiftung auch ein Beitrag mit dem Titel „La otra memoria histórica“ – das andere historische Gedächtnis, ein Titel, der impliziert, dass dieser Beitrag als Gegendarstellung zu „dem einen historischen Gedächtnis“ zu verstehen ist.

Die Diskussion um die ‚wahre’ spanische Geschichte ist also neu entbrannt – während auf der einen Seite nach den Opfern dieser Geschichte gesucht wird, rechtfertigen revisionistas – Geraderücker der Geschichte wie der Ex-Linke und Ex-Grapo-Terrorist Pío Moa – die Geschehnisse zugunsten und im Sinne der Sieger von 1939.

 

Vergangenheitsbewältigung auf der Bühne

EL CANAL erzählt die Geschichte dagegen so, wie sie in allen betroffenen Familien hätte erzählt werden können und sollen: Ein Großvater (Antonio Morilla Rodríguez) spaziert mit seiner halbwüchsigen Enkelin Marta (Nerea del Campo) über die Ruinen von Los Merinales, dem letzten der weit über 100 spanischen Konzentrationslager der Franco-Zeit. Unter den Gefangenen, die von diesem Lager aus Zwangsarbeit am Kanal leisten mussten, war auch Martas Urgroßvater. Dieser Umstand gibt den Anstoß zu dem Gespräch der beiden, das als Frage-Antwort-Dialog konzipiert ist, der immer wieder von szenischen Darstellungen des vom Großvater Erzählten illustriert wird.

El Canal - Die Zweite Republik

Dieses reiterative Spiel-im-Spiel zeigt lebendige Geschichte anhand von historischen Szenen, Kostümen und Requisiten und vermittelt Geschichte durch das gesprochene und das gesungene Wort. Die Dialoge der einzelnen Szenen sind in Stil, Inhalt und Dialekt der Sprache des einfachen andalusischen Volkes entnommen, dessen Begeisterung sie ebenso reflektieren wie dessen unschuldige Naivität. Sie beschreiben sowohl die Ängste und Sorgen der Menschen wie auch die Motivationskraft einer Gruppe von Gleichgesinnten oder die Verzweiflung in menschenunwürdiger Gefangenschaft.
Verstärkt werden diese Dialoge durch insgesamt 20, von einem hervorragenden Gitarristen begleiteten Lieder, die das kollektive Bewusstsein sowohl der Republik als auch der Zeit der Unterdrückung widerspiegeln und eindringliche Zeugen sind einer Vergangenheit, in der der Kampf um Freiheit und Menschenwürde noch eine Frage des Überlebens war.

El Canal - Lagerleben

Was die Schauspieler auf der Bühne nicht mehr darstellen können, zeigen Bilder an der hinteren Bühnenwand: Fotos, die das Grauen des spanischen Bürgerkriegs zeigen. Auch das berühmteste aller Bürgerkriegsbilder fehlt hier nicht, das des fallenden Milizsoldaten von Robert Capa – der abuelo versäumt es selbstverständlich auch nicht, seiner Enkelin von den jahrelangen Diskussionen um die Echtheit dieses Fotos zu erzählen.

 
Spaniens berühmtester Ermordeter

Poetischer und musikalischer Höhepunkt sind die Verse Antonio Machados (1875-1939) zur Ermordung des aus Granada stammenden Dichters Federico García Lorca (1898-1936). Lorca, Gallionsfigur der legendären Dichtergruppe der generación del ’27, der mit Bluthochzeit und Bernarda Albas Haus auch heute noch auf den deutschsprachigen Bühnen präsent ist, floh im Juli 1936 aus Madrid nach Granada, wo er drei Tage später von Francos Schergen erschossen wurde – weil er ein Dichter war, weil er für die Republik war, weil er seine Homosexualität nicht verhehlte, und weil er, das haben neueste Untersuchungen gezeigt, auch eigenen Verwandten und vermeintlichen Freunden ein Dorn im Auge war.
Verscharrt in einem von einem Olivenhain bewachten Massengrab, ist Lorca heute, über 70 Jahre nach seiner Ermordung, die Metonymie des Schreckens und der Willkür, steht sein Name stellvertretend für die vielen Namenlosen, deren Gebeine neben, über und unter den seinen ruhen. Die Öffnung dieses und weiterer Massengräber aus der Franco-Zeit ist ein hochbrisantes Thema, das bereits seit mehreren Jahren die spanische Öffentlichkeit erregt und beschäftigt. Der Madrider Untersuchungsrichter Baltasar Garzón, der schon 1998 für die Verhaftung des chilenischen Diktators Pinochet verantwortlich zeichnete, setzt sich seit Jahren vehement für die juristische Aufarbeitung der Vergangenheit ein. Seit einigen Monaten betreibt Garzón, der sogar schon Franco und seine wichtigsten Schergen posthum auf die Anklagebank setzen wollte, auch die sukzessive Exhumierung verschiedener Massengräber. Dazu bietet ihm das 2007 verabschiedete ‚Gesetz zur historischen Erinnerung’ (Ley de la memoria histórica) zwar einen gewissen Spielraum, denn die Öffnung von Massengräbern ist darin ausdrücklich vorgesehen. Gleichzeitig hat er jedoch mit den juristischen Einschränkungen durch die 1977 erlassene Generalamnestie, die alle bis Ende 1976 aus politischen Gründen begangenen Handlungen für juristisch nicht verfolgbar erklärt, ebenso zu kämpfen wie mit Verjährungsfristen. Besonders spektakulär – und auch das wird Garzón immer wieder vorgeworfen, gestaltet sich das Thema, wenn es um das Massengrab geht, in dem auch die Gebeine Lorcas ruhen, denn hier treffen die Interessen Vieler – der Angehörigen der namenlosen Opfer – auf die Interessen Weniger; wer sich letztendlich aus welchen Gründen und auf welchen Wegen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

El Canal - Großvater und EnkelinWie zum Trotz verraten aber Machados Verse so viel über die republikanisch-andalusische Seele, dass sie auf der Bühne gleich zweimal rezitiert werden – einmal als Gedicht, getragen und zum Leben erweckt von der sonoren Stimme des Großvaters, und einmal in der von der Enkelin mit beeindruckender Stimmgewalt vorgetragenen Liedfassung des andalusischen cantaor Pepe Suero.

Hörproben (Format Mp3):
> El Crimen fue en Granada - poesía
> El Crimen fue en Granada - canción

 

Eine Lektion in Einfachheit und Eindringlichkeit

Der dritte und längste Abschnitt der Bühnenerzählung rekonstruiert das Leben in den Konzentrationslagern – die Trennung der Gefangenen von ihren Familien, der Hunger, die schwere Arbeit, die ständigen Demütigungen und Folterungen durch die Aufseher. Aber auch der verzweifelte innere Widerstand einiger Gefangener, die trotz aller von außen ausgeübter Repression ihre innere Integrität zu bewahren suchen, ist spürbar – und wird durch das von Paco Ibáñez bekannt gemachte „Me queda la palabra“ auch hörbar gemacht.El Canal - Gefangener

Hörprobe (Format Mp3):
> Me queda la palabra

Insgesamt 13 Erzählabschnitte umreißen dieses noch lange nicht aufgearbeitete Kapitel der spanischen Geschichte, das in 14 eindrucksvollen Szenen darstellt wird. Dass das Bühnenbild dazu nicht aufwendig sein muss, um eindrucksvoll zu sein, beweist das Stück quasi nebenbei – gerade einmal acht schwarze Kuben reichen als Grundausstattung für die verschiedenen Schauplätze. Auf der Bühne verstreut fungieren ebenso als Ruinen von Los Merinales wie als Naturlandschaft für revolutionäres Lagerleben. In Reih und Glied gebracht sind sie plötzlich die Grundmauern des Konzentrationslagers und nehmen die Gitterstäbe auf, die die Gefangenen – Ironie des Schicksals – selbst installieren müssen. Eine bedrückende Veränderung geschieht in diesem Moment auf der Bühne, denn der Raum ist durch die Gitterstäbe plötzlich unwiderruflich strukturiert und kennt ein Innen und ein Außen, und damit auch ein Gefangen und ein Frei.

 
El Canal - Gefangene

Wesentlich ist die Beleuchtung, die nicht nur ständig zwischen den beiden Bühnenteilen – dem der Erzähler und dem des Erzählten, wechseln muss, sondern auch das spartanische, aber wandelbare und einfallsreiche Bühnenbild ins sprichwörtlich rechte Licht setzt.

Das Schlusswort des Großvaters an die Enkelin ist gleichzeitig ein Appell gegen das Vergessen: „Wir können und dürfen niemals das Opfer dieser vielen tausend namenlosen Menschen vergessen, die unter diesen menschenunwürdigen Umständen zu leiden hatten und schließlich ihr Leben gaben, um ihre Ideale zu verteidigen – Freiheit, Gerechtigkeit, eine bessere Gesellschaft.“

 

 

El Canal - SchlußtableauDas Schlusstableau schließlich lässt Erzähler und Erzähltes verschmelzen – nach und nach erscheinen alle Akteure auf der Bühne und vor den Gitterstäben. Angeführt von den drei Sängern erklingt das ebenfalls von Pepe Suero vertonte „Amor y Paz“, während im Hintergrund Picassos Guernica zu sehen ist. Dieses Bild, das für die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica durch Luftwaffeneinheiten der deutschen "Legion Condor" am 26. April 1937 und die damit verbundenen 2.000 Toten steht, ist wie kein zweites zum Sinnbild der Grausamkeit des Krieges, und besonders des Spanischen Bürgerkrieges, geworden.

Hörprobe (Format Mp3):
> Amor y paz

 
Die Konzeption dieses ebenso ungewöhnlichen wie bodenständigen Stückes ist geballt und eindringlich – ‚authentisch’, könnte man unbedachter- und modernerweise sagen, und doch greift dieser Begriff viel zu kurz, wollte man das ganze Spektrum von erlebter Geschichte beschreiben, das von dieser Bühne aus entfaltet wurde.
 
 

Links zum Thema

> Theaterkollektiv CTV Teatro
> Gedenkstätte Los Merinales

 
 
 
EL CANAL en Munich
24 de octubre 2008
     

El CANAL

Theaterkollektiv Vistazul
Dos Hermanas (Sevilla/Spanien)
www.ctvteatro.com
cteatrov@terra.es

 

 

 

El Canal
von Antonio Morillas Rodríguez

Zu Ehren der Gefangenen des Franquismus, die in den Konzentrationslagern von La Corchuela und Los Merinales zu leiden hatten und den Kanal des Unteren Guadalquivir bauten.

     
EL CANAL   DAS THEATER CTV

Das Theaterkollektiv Vistazul wurde im April 1987 gegründet und hat seither und bis zur Uraufführung von EL CANAL rund 500 Aufführungen in ganz Andalusien, Castilla-León, Extremadura, Kuba (viermal), Ägypten, Frankreich (dreimal), der Schweiz, Belgien und Holland bestritten.
Seit seiner Gründung hat das Kollektiv 26 Stücke inszeniert, in denen fast alle Theaterstile und eine Reihe von Autoren miteinander kombiniert wurden, wobei gerade in den Stücken der letzten Jahren ein starker sozialer Inhalt in den Vordergrund getreten ist.
Das Theater soll, neben seiner gelegentlichen Funktion als reines Unterhaltungsmedium, auch die Probleme des täglichen Lebens und die eigene Sicht auf die soziale Wirklichkeit widerspiegeln. Dem Theater sind die Probleme der Gesellschaft, in der es sich entwickelt, weder fremd noch dürfen diese Probleme fremd sein. Vielmehr hat das Theater die Pflicht, das Gewissen einer Gesellschaft aufzurütteln, die dazu neigt, mit allzu großer Leichtigkeit zu vergessen und die deshalb die eigenen Fehler andauernd wiederholt.

DER AUTOR

Antonio MorillasRodríguez ist der Gründer des Theaterkollektivs Vistazul und Regisseur fast aller Stücke des Ensembles. Als Autor hat er folgende Stücke geschrieben:
HATSHEPSUT [Hatschepsut], 2002 Teilnehmer am XIV Internationalen Theaterfestival in Kairo (Ägypten) und mehrfach als bestes Stück auf verschiedenen Festivals ausgezeichnet.
PAPELITA Y CARTONCITO [Papierchen und Kartönchen],über die Wiederverwertung von Papier und Karton;
CANTANDO A LA VIDA [Dem Leben ein Lied], über Drogenabhängigkeit, auch mehrfach auf Festivals ausgezeichnet;
ANDALUCÍA UN SENTIR [Die Seele Andalusiens]: Mit diesem Stück fand 2007 eine Europatournee durch fünf Länder statt;
FEDERICO EN LA MEMORIA [Erinnerung an Federico García Lorca], mit einer Tournee durch ganz Frankreich 1998;
CUENTOS DEL DECAMERÓN [Erzählungen des Decamerone], Bearbeitung der Erzählsammlung von Giovanni Boccaccio, ebenfalls mit wichtigen Preisen auf Festivals ausgezeichnet;
LA CANTATA DE SANTA MARÍA DE IQUIQUE [Die Kantate von Santa Maria de Iquique], Theaterbearbeitung der Musikaufnahme der chilenischen Gruppe Quilapayum;
EN LA PLAZA DE MI PUEBLO [In der Mitte meines Dorfes], eine Huldigung der II. Spanischen Republik;
PERDÓNAME [Verzeih mir], eine direkte Anklage der Gewalt gegen Frauen; ebenfalls mit einigen Preisen auf Festivals ausgezeichnet;
ARENAS DE DIGNIDAD [Strände der Würde], gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit;
LAS CHICAS DEL CONDE [Die Mädchen des Grafen], ein Musical, ebenfalls auf Festivals prämiert.

     
EL CANAL   ES SPIELEN

Großvater. Erzähler des Stückes. ANTONIO MORILLAS
MARTA. Erzählende Enkelin. NEREA DEL CAMPO.(Sängerin)
MIGUEL. Arbeiter JUSTO RUEDA MÍNGUEZ
ROCÍO. Miguels Frau. ROCÍO ROMERO BAUTISTA
LOLA. Miguels Mutter LOLA PÁEZ CANALES (Sängerin)
PEPE. Arbeiter. PEPE LÓPEZ DEL RÍO
CARMEN. Pepes Frau. NATALIA ALGABA JIMÉNEZ
PEPA. Carmens Mutter. PEPA GUTIÉRREZ ORTEGA
TERE. Pepes Mutter. MARY TERE REINA ARANDA
CARMENCITA. Carmens Tochter. ALBA ALVITE CASTRO
MARCOS. Gefangener. MARCOS PEÑALOSA VEGA (Sänger)
ROBERTO.
Gefangener der Internationalen Brigaden
ARIEL DÍAZ
ANTONIO. Gefangener. JOSÉ DELGADO IBÁÑEZ
LUIS. Gefangener. ÁLVARO QUINTANO SÁNCHEZ
LUISA. Ehefrau, die ihren Mann sucht. CANDY MOLINA INFANTE
PATRICIA. Milizsoldatin. PATRICIA ROMERO HERRERA
ANITA. Angehörige eines Gefangenen. VERÓNICA RUEDA MONTILLA
MARÍA. Tänzerin. MARÍA ALMINDA RUIZ JURADO
FRANCISCO.
Oberleutnant des Franco-Regimes
JOSÉ ANTONIO MARÍN
RAMÓN. Feldwebel des Franco-Regimes. DOMINGO LÓPEZ PEÑALOSA
MANUEL. Soldat des Franco-Regimes. DANIEL TORNAY CAMPOS
PEDRO. Soldat des Franco-Regimes. JOSÉ MANUEL BENJUMEA

Kostüme Lola Páez Canales und
Pepe López del Río
Inszenierung Antonio Morillas Rodríguez
Beleuchtung José Antonio Marín Pérez
Ton José Sánchez Vázquez
Montage Pepe Delgado Ibáñez
Musikauswahl Antonio Morillas Rodríguez

Musikleitung Manuel Rodríguez Rodríguez
Textbuch und Regie Antonio Morillas Rodríguez
     
EL CANAL   DAS STÜCK

EL CANAL möchte, mit der Ausdruckskraft des Theaters und der Musik, ein Plädoyer sein gegen Unterdrückung und Ausbeutung.

In den ersten und schlimmsten Jahren der harten Franco-Diktatur waren die Konzentrations- und Arbeitslager das Instrument des Faschismus, um nicht nur die Freiheitskämpfer zu foltern und zu erniedrigen, sondern sie durch Ausbeutung auch wirtschaftlich rentabel zu machen, etwa bei Bauprojekten der öffentlichen Hand, an denen sich, wie immer, die Großen bereicherten. Die Gefangenen wurden in Arbeitsbataillonen zusammengefasst und über ganz Spanien verteilt.

1937 gab es 28 Konzentrationslager; bereits einige Monate später, 1938, arbeiteten 45 Lager und 50 Arbeitsbataillone. So ging es weiter, bis 1943 mit 141 die höchste Anzahl an Konzentrationslagern erreicht war. Das letzte bestehende Konzentrationslager war Los Merinales, im Stadtbezirk von Dos Hermanas. Dieses Lager war dem Bau des Kanals des Unteren Guadalquivir zugewiesen, zur Bewässerung der Felder der mächtigsten Großgrundbesitzer der Gegend. Dieses Lager legte auch den Grundstein zur Erschließung des Stadtviertels Bellavista, in dem viele Familienangehörige der Gefangenen aus dem Lager Los Merinales lebten.

Mit der Uraufführung dieses Stückes möchten wir unserer tiefen Anerkennung und Dankbarkeit Ausdruck verleihen gegenüber all jenen, die ihr Leben gelassen haben oder auf irgendeine Weise unter Repressalien zu leiden hatten, weil sie die Freiheit gegenüber der Franco-Diktatur verteidigt haben. Vor allem aber gegenüber jenen, die in Konzentrations- und Arbeitslagern zu leiden hatten, ebenso wie ihre Angehörigen, die ebenfalls Opfer des Faschismus sind.